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Aus einem Zeitungsausschnitt im Südkurier vom 18.6.1966

Alte Bauernhöfe im Kreis Waldshut (7)

Wo der Redmann Michael Jehle gelebt hat

das Haus des Johann Michael Jehle in Waldkirch
großes Bild

Der Redmannshof in Waldkirch hat eine jahrhundertealte Geschichte

Der Ort wurde oft heimgesucht

Die Artikelreihe „Alte Bauernhöfe im Landkreis Waldshut“ wird heute mit einem Beitrag über den Redmannshof in Waldkirch fortgesetzt, nachdem unsere Leser bisher mit der Geschichte des Alkenhofes bei Küßnach, des Mesnerhofes in Höchenschwand, des Closenhofes in Detzeln, des „SchIößle“ in Schmitzingen, des Bercherhofes bei Bergöschingen und des einstigen Dinghofes Lütislo des Klosters Berau bei Horheim vertraut gemacht wurden

 w-l. Sein Gesicht wenig verändert hat das alte Pfarrdorf Waldkirch, das um die Mitte des 18. Jahrhunderts acht Häuser zählte, in denen neun Familien mit 79 Köpfen wohnten. Um die barocke Pfarrkirche mit dem Pfarrhaus und der umgebauten einstigen Zehntscheuer als Mittelpunkt liegen heute fünf Bauernhöfe, das traditionsreiche Gasthaus „Zum Storchen“, das durch Jahrhunderte mit dem Mesnergut verbunden war, die Schule und dazu einige wenige Wohnhäuser, während südlich vom Dorf an der Straße nach Waldshut ein Aussiedlerhof gebaut wurde.

Der erste urkundliche Hinweis auf Waldkirch ist aus dem Jahre 858 erhalten, so daß das Dorf auf eine über 1100 jährige Geschichte zurückblicken kann und auch seine Bauerngüter in ihren Anfängen sicher in diese Zeit zurückreichen. In den ersten Jahrhunderten spielten hier vor allem die Klöster Rheinau, Königsfelden, St. Blasien und das Damenstift Säckingen eine Rolle, die hier umfangreiche Güter und verbriefte Rechte hatten. Ein dem König unmittelbar unterstelltes Bauerngut wird 1047 für Waldkirch bestätigt.

Das Kloster St. Blasien besaß einen Fronhof im Dorf, der ihm jedes Jahr im Frühjahr und Herbst Fuhrmann und Zugtiere für eine Weinfuhre stellen mußte. Diese Verpflichtung ruhte auf verschiedenen großen Klosterhöfen, und auf diese Art bekam das Kloster seine Einkünfte an Wein, vor allem aus dem Markgräflerland und dem Breisgau, aber auch von seinen Besitzungen in der näheren Umgebung nach St. Blasien. Wagen und Fässer, ebenso die Verpflegung, stellte das Kloster. Zur Pfarrpfründe der oberen Pfarrei in Waldshut gehörten das 1559 erwähnte „Tillengütle zum Kühlenbronnen“ und das „Schochen Gut“. Vom Tillengütle mußte der Tillenzehnte, den Kaiser Rudolf von Habsburg zur Unterhaltung eines ewigen Lichtes am Sarge des hl. Fridolin in Säckingen gestiftet hatte, entrichtet werden.

Waldkirch wurde oft schwer heimgesucht

An der Durchgangsstraße vom Hochrheintal nach St. Blasien und dem Schwarzwald gelegen, wurde Waldkirch in Kriegszeiten oft schwer heimgesucht. Während der Belagerung der Stadt Waldshut wurde es im Jahre 1468 von den Eidgenossen und im Jahre 1633 während des Dreißigjährigen Krieges von den schwedischen Truppen eingeäschert. Damals fielen auch die Kirche und das Pfarrhaus mit sämtlichen Häusern dem Feuer zum Opfer und nur das Beinhaus auf dem Friedhof blieb vor den wütenden Flammen verschont. 1635 wurde es zum großen Teil noch einmal von den feindlichen Soldaten in Brand gesteckt, und im Jahre 1796 zündeten die Franzosen den ,,Storchen“ und das Haus des Redmanns Johann Michael Jehle, den ,,Redmanns Hof“ an. Johann Michael Jehle schreibt darüber am Beginn der von ihm verfaßten Dorfchronik:

„Weil am 16. Oktober 1796 dem Johann Michael Jehle, damaligem Redmann der Grafschaft Hauenstein zu Waldkirch, sein Haus, worin die dasige (hiesige) Gemeindslade und Schriften aufbewahrt wurden, von den Franzosen, auch dem dasigen Wirt Johann Tröndle sein Wohn und Wirtshaus, auch die besonders stehende Scheuer und nebst dieser noch ein klein Häuslein, folglich drei Gebäude abgebrannt, auch mit diesen alle älteren, damals in der Gemeindslade befindlichen Gemeindeschriften verbrannt, also können in dem gegenwärtig neu errichteten Gemeindebuch dermal weder Beraine noch andere ältere Schriften oder Gerechtsame einverleibt werden.“

Es sind also gerade 170 Jahre her, seit dem der Redmannnshof abgebrannt und anschließend wieder aufgebaut worden ist. Zu jener Zeit sind als Bauern verzeichnet Joseph Marder, Fridle Baumgartner, Johann Baumgartner, Joseph Baumgartner, Johann Tröndle der ober, Fidele Tröndle, Johann Jehle, Schmied, und Johann Tröndle, der Wirt. Johann Michael Jehle hatte sich auf den Tröndlehof verheiratet, der von ihm den Namen „Redmannshof“ bekommen hat.

Letzter Redmann war markante Persönlichkeit

Johann Michael Jehle stammte aus Heppenschwand auf dem Höchenschwander Berg, wo er am 16. Oktober 1749 als Sohn des Einungsmeisters Michael Jehle und der Katharina geborene Ebner das Licht der Welt erblickte. Er war ein weit über dem Durchschnitt gebildeter Mann, aufgeschlossen, klug denkend und fortschrittlich eingestellt. So ist es nicht verwunderlich, wenn ihn seine Landsleute zum Einungsmeister wählten. Die Einungsmeisterwahl fand immer am Georgitag, am 23. April, statt. Gewählt wurde unter freiem Himmel und in freier Wahl. Wahlberechtigt und wählbar waren nur die verheirateten Männer. Wenige Wochen nach der Wahl wurden die Einungsmeister vom vorderösterreichischen Waldvogt, der seinen Sitz in Waldshut hatte, vereidigt und aus ihren Reihen der Redmann gewählt.

Johann Michael Jehle versah das Amt in schwerer Zeit und hat viel Gutes für das ganze Hauensteiner Land getan. Er starb am 18. April 1831, wie die Inschrift auf seinem Grabkreuz an der Außenwand des Chores der Waldkircher Pfarrkirche besagt, wo es heißt: „Hier liegt begraben Johann Michael Jehle von Waldkirch, gewesener Redmann und Einungsmeister der Grafschaft Hauenstein. Er starb im 82. Jahr seines Alters, betrauert von 8 Kindern, 32 Enkeln und 6 Urenkeln.“

Mit dem alten Geschlecht Rüd vom Rüdhof in Geiß kam vor Jahrzehnten eine tüchtige Bauernfamilie auf den Redmannshof. Auf Alois Rüd, dessen Frau Theresia geborene Trödle vom Tröndlehof in Waldkirch stammte, folgte sein Sohn Adolf Rüd, der mit Umsicht und allen Neuerungen aufgeschlossen den 26 Hektar umfassenden Hof bewirtschaftet. Mit dem Besitzer Sebastian Fetscher vom benachbarten alten Marderhof tauschte er ein Stück Ackerfeld. Beim Umpflügen dieses Feldstücks rutschte der schwere Traktor über eine kleine Grenzböschung ab, überschlug sich, wobei Adolf Rüd schwer verletzt wurde und kurz darauf verstarb. Daraufhin wurde der Hof verpachtet. Inzwischen hat der rührige Pächter Birkenberger den bereits erwähnten Aussiedlerhof erstellt.

Der alte Redmannshof hat gewölbte Keller, die noch aus der Zeit vor dem Brand von 1796 stammen, als der Hof nach dem Brand im Dreißigjährigen Krieg neu aufgebaut wurde. Über dem Rundbogeneingang des Wohnhauses erinnert eine Tafel mit Inschrift daran, daß der Redmann Jehle hier gelebt hat und das Haus 1796 verbrannt wurde. Ein mächtiger, aus einem Block gehauener Steinbrunnen, wie sie in Waldkirch noch zu sehen sind, steht auf dem Hof.

 Alle Waldkircher Höfe, der Storchen, der Marderhof ein Marder war 1617 Einungsmeister gewesen, der Tröndlehof, der Denz- und Dörflingerhof haben eine jahrhundertealte Geschichte. Die Höfe sind geblieben, nur die Besitzer haben im Lauf der Zeit gewechselt.

Hans Matt-Willmatt

 

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