Quelle:
Die römerzeitliche Besiedlung am östlichen Hochrhein: (50 v. Chr. - 450 n. Chr.)
Materialhefte zur Archäologie in Baden-Württemberg; 63
Jürgen Trumm. - Stuttgart : Theiss, 2002.

Römische Funde in Gurtweil

70. Gurtweil WT (Stadt Waldshut-Tiengen)

,Birkhalde'

Einzelfund: Römische Münze

Literatur: Fundber. Baden-Württemberg 22/2, 1998, 337 Nr. 2.

Fund: 1.* Antoninian Gallienus. 259 (?). Rom. RIC 123 (?) Stark korrodiert. AO: LDA Freiburg. Inv. Nr. Gur 28.

Kommentar: Die ,Birkhalde' westlich oberhalb Gurtweils ist ein Ausläufer des Hungerbergs, eines Nordwest - Südost ziehenden Höhenrückens aus Muschelkalk. Im Mischwald unmittelbar südlich des Steilabfalls zur Schlucht fand J. Hessel 1994 neben frühneuzeitlichen Objekten auch einen stark korrodierten Antoninian des Gallienus. Begehungen erbrachten bislang keine weiteren Funde. -TK 8315.

71. Gurtweil WT (Stadt Waldshut-Tiengen)

,Hinterm Glockenberg'/,Steinbrunnen'/,Zelgle' (auch ,Schlößlebuck')

Römischer Gutshof mit germanischen Funden (Abb. 36-38)

Literatur: P. REVELLIO/K. HECK, Der römische Gutshof auf der Schlüchtterrasse zwischen Gurtweil und Tiengen. Bad. Fundber. 14, 1938, 60 - 65. - SCHREIBER 1844, Bei der Ausgrabung268 - 271; J. BADER, Keltisch-Römisches bei Thiengen im Kletgau. Schr. Alterthums- und Geschichtsver. Baden u. Donaueschingen 3, 1848, 229; M. DE RING, Mémoire sur les établissements romains du Rhin et du Danube, principalement dans le sudouest de l'Allemagne I (Paris, Strasbourg 1852) 193; FECHT 1859, 51 - 55; NAEHER 1881, 96; BISSINGER 1883, 30; BISSINGER 1885, Nr. 38; WAGNER 1892, 152; KRIEGER 1904, 798; 1179; WAGNER 1908, 136; 143; HECK 1926, 14; 140; P. REVELLIO, Römische Bäder in Baden. Bad. Fundber. 14, 1938, 53 f.; KOETHE 1940, 122; SCHLEIERMACHER 1951, 156; MATT-WILLMATT 1957, 45; L. BERINGER, Geschichte des Dorfes Gurtweil (Waldshut 1960) 17-20; ROEREN 1960, 256 Nr. 97; J. WERNER, Die Langobarden in Pannonien. Abhandl. Bayer. Akad. Wiss, Phil.- Hist. Kl. N. F. 55 (München 1962) 51 Abb. 4; 173; FMRD II 2 (1964) Nr. 2302; 2323,4; 2324 (Fundort nicht gesichert); TIR 1966, 75; GUYAN 1968, 587; F. KÜHN, Römische Trümmerstätten als Landmarken. In: Provincialia [Festschr. Rudolf Laur-Belart] (Basel, Stuttgart 1968) 374; GARSCHA 1970, 82; Taf. 8,4.5; CHRISTLEIN 1974, 8 Nr. 120; REUTTI 1975, 416; Taf. 245; HEINZ 1979, 105 - 107; Taf. 31; SCHNITZLER 1979, 74; KNAUT 1988, 313 Abb. l Nr. 120; 326 Nr. 120; FINGERLIN 1990a, 6 Abb. 4; 10; H. MANDERSCHEID, Die Wasserbewirtschaftung römischer Thermen. Katalog der Befunde. Mitt. Leichtweiß-Inst. Wasserbau TU Braunschweig 118 B (Braunschweig 1994) 177 f.; ROTHKEGEL 1994, 190 mit Anm. 28. - Germania 10, 1926, 158; Bad. Fundber. I, 1927, 203 - 205; 282; II, 1929, 55; Germania 13, 1929, 65; Bad. Fundber. III, 1936, 389; 17, 1941 - 1947, 338 (Fundort nicht gesichert).

Topographische Situation: Der Gutshof liegt an einem sanft nach Südwesten zur Schlücht hin abfallenden Hang auf 365 - 375 m ü. NN. Der Hang besteht aus Muschelkalk, die Niederterrasse aus würmeiszeitlichen, mit Schwemmlehm bedeckten Schottern. Ca. 30 m nördlich des römischen Badegebäudes, in der Flur ,Steinbrunnen', befand sich eine heute versiegte Quelle. Das Areal der römischen Siedlung ist nicht überbaut und wird als Ackerland genutzt. Quer durch die Anlage verläuft die Gemarkungsgrenze zwischen Gurtweil und Tiengen, was in der älteren Literatur manchmal zu einer "Verdoppelung" der Fundstelle geführt hat. -TK 8315.

Forschungsgeschichte und Befund: Wie Sagen und die Bezeichnungen ,Schlößlebuck' und ,Schlößleacker' zeigen, müssen zwischen Gurtweil und Tiengen seit alters Mauerreste bekannt gewesen sein. Meldungen über "Grabungen" reichen bis ins frühe 19. Jh. zurück, wobei die römischen Steingebäude seinerzeit einen noch bis zu 6 m hohen und 40 m langen Schutthügel bildeten. 1926 und 1928 unternahm K. Heck aus Waldshut größere Ausgrabungen, die Reste von mindestens vier Steingebäuden zu Tage förderten (Abb. 36). Bis auf einige Lesefunde fanden seither keine weiteren Untersuchungen mehr statt, auch fehlen bislang aussagekräftige Luftbilder. Von den Grabungen 1926/28 existieren zwei Großpläne vom Bad im Maßstab l : 50 sowie mehrere Bleistiftskizzen und S/W-Fotos, während die schriftliche Dokumentation von K. Heck mehrere Briefe sowie einen 12seitigen Abschlußbericht umfaßt. Der Bericht wurde von P. Revellio umgearbeitet und 1938 publiziert (Abb. 37; 38). Diese Dokumente zeigen, daß seinerzeit zumeist nur entlang der Mauern gegraben und die Innenräume - mit Ausnahme einiger Zimmer im Bad - nicht flächig aufgedeckt wurden.

Der annähernd quadratische, ca. 10,6 x 10,9 m große Bau A besaß 90 cm breite Fundamente, die nach einem Rücksprung das 75 cm breite Mauerwerk aus lokal anstehenden Kalksteinen trugen. Der am oberen Hang liegende Bau war 1926 noch so gut intakt, daß einzelne, innen weiß verputzte Mauerpartien bis zu 1,8 m hoch erhalten waren. Im Innern wurde ein Mörtelestrichboden festgestellt, auf welchem Bauschutt mit "auffallend wenig" Ziegeln lag. Darin fand man neben Eisennägeln auch "eine derbe römische Fibula" - die germanische Armbrustfibel (47). Unmittelbar südlich des Gebäudes lag eine Grube mit gelöschtem Kalk, deren Zeitstellung - steinbauzeitlich oder nachrömisch? - nicht festgestellt werden konnte.

Das 25,8 x 19,8 m große Gebäude B lag etwas hangabwärts und besaß 90 cm breite Fundamente, wobei die talseitige Mauer zwei Eckpfeiler von je 1,8 x 1,8 m und einen dazwischen liegenden Strebepfeiler, etwas aus der Mitte der Südmauer nach Osten gesetzt, aufwies. An der Ostseite bestand eine 3,7 m breite Mauerlücke mit noch in situ stehenden Prellsteinen aus Sandstein, die einen 3 m breiten Eingang oder eine Einfahrt flankierten. Auch die mittlere Mauer besaß eine 1,5m breite Lücke, wobei unklar ist, ob hier ein späterer Mauerausbruch vorliegt. Trotz der spärlichen Befundbeschreibung ist eine spätere Baumaßnahme zu erkennen: Erst nach einem Brand, der die Innenschalen der Kalksteinmauern rot färbte, wurde die mittlere Mauer eingezogen, da deren unverbrannte Steine mit einer Baufuge an den rechteckigen Kernbau stoßen. "Außer Kleinigkeiten" wurden keine Funde gemacht. Dem Ausgräber fiel auf, daß auch Ziegel fehlten, so daß er auf einen offenen Hof schloß. Ein Suchschnitt quer durch das Gebäude erbrachte mehrere Brandschichten - wohl von nicht erkannten Holzvorläufern - sowie ein älteres, schräg zu den aufgenommenen Befunden fluchtendes Mauerstück.

Das hangabwärts, ca. 110 westlich der genannten Gebäude liegende Bad (Gebäude C) maß inklusive Anbauten max. 17,8 x 16,2 m. Auch hier war das Aufgehende stellenweise noch bis zu 1,30 m hoch erhalten. Der Grabungsbericht erwähnt mehrfach die Schuttverfüllung der Räume, wobei zuunterst immer Dachziegel (z. T. mit Stempel) lagen, darauf dann verbrannte Mauersteine und Kernmauerwerk mit Mörtel. Diese wiederkehrende Abfolge könnte auf einen Verfall des Bades nach einem größeren Schadenfeuer verweisen.

Raum A besaß einen Boden aus Mörtelestrich, hatte aber im Osten offenbar keinen oder nur einen sehr leichtgebauten Abschluß. Von hier gelangte man durch eine ca. 1,2 m breite Türe in den später angebauten Raum B, dessen Wände flächig grauviolett bemalt waren. Der auf Hypokausten ruhende Mörtelboden lag 60 cm tiefer als das Niveau von Raum A. Ein Teil des Bodens wurde "aufgebrochen", um einen Einblick in die wohl mehrfach reparierte Hypokaustanlage zu erhalten: Deren Pfeiler bestanden nämlich nicht nur aus quadratischen und runden Ziegelplatten, sondern z. T. auch aus zwei hochkant gegeneinander gestellten imbrices, deren Hohlraum mit Lehm ausgefüllt war. Im Praefurnium C fand man Ziegelstempel der 21. Legion, ein "halbes rohes Säulenkapitell aus Tuffstein", Keramik und Knochen. In der mit Holzkohle und Asche gefüllten Grube in der südwestlichen Ecke lag ein Sesterz des Hadrian (2). Die Zungenmauern der Feuerungskanäle bestanden aus grünem und rotem Sandstein. Entlang der Wände des Praefurniums wurden mehrere Gruben und "Podeste" aus Steinen und Ziegeln festgestellt. Die starke Ausführung der Feuerungskanäle im Innern des Praefurniums spricht dafür, daß unmittelbar über dem Feuer ein Kessel für die Aufbereitung von Heißwasser saß. Vom Praefurnium wurde auch der hypokaustierte Raum B über eine ca. 40 cm breite, mit Sandsteinen ausgekleidete Mauerlücke befeuert. Die Planzeichnung und der etwas konfuse Grabungsbericht lassen im Praefurnium mehrere Bauphasen vermuten. Das Innere von Raum F und seine Wände waren stark gestört. Der ursprüngliche Stampflehmboden lag ca. 70 cm tiefer als das Gehniveau von Raum G, aber auf gleicher Höhe mit dem westlich anschließenden Unterboden des hypokaustierten Raums K. Raum F war in einer älteren Phase ebenfalls hypokaustiert, wie eine mit Ziegeln ausgekleidete, schräg fluchtende Mauerlücke ins Praefurnium C zeigt. Später wurde die Hypokaustanlage ausgeräumt und ein neuer Fußboden aus Mörtelestrich eingezogen, von dem sich eingesunkene Reste in der Nordostecke fanden. Spuren einer Treppenstufe zeigen, daß man von hier durch eine Türe in Raum G gelangte.

Abbildung 37Die Räume H, I und K waren hypokaustiert und miteinander durch Warmluftöffnungen verbunden. Raum K, das Caldarium, wurde direkt vom südlich gelegenen Praefurnium C aus geheizt und besaß im Westen eine stark fundamentierte, aus der Fassade vorspringende Nische I mit vollständig erhaltener Hypokaustierung, die etwa 30 cm unter dem Niveau von Raum K lag. Hier befand sich wohl eine tiefer liegendeWarmwasserwanne. In Raum H standen nur noch im Westen zwei Reihen von Hypokaustpfeilern in situ, im Osten fehlten sie vollständig. Offenbar wurden sie zu einem späteren Zeitpunkt entfernt, als eine geänderte Nutzung des einstigen Tepidariums geplant war. Hier fand sich ein Stempel der 11. Legion "auf einer Hypokaustplatte" (33) sowie Wandverputzbrocken mit Resten von weißer, grüner und roter Bemalung. Zwischen Raum H und G war das Mörtelbett einer Türschwelle sowie der untere Ansatz des Türgewändes aus Tuff noch vorhanden. Raum G besaß einen Boden aus Terrazzomörtel. Durch die Nordwand führte ein runder, 10 cm breiter Wasserabfluß in einen West - Ost verlaufenden Kanal, der von Becken D in Latrine E führte. Vom Vorraum G stieg man über eine fast 4 m breite, dreistufige Treppe in das mindestens 75 cm tiefe Kaltwassserbecken D hinab, dessen lichte Maße 7,5 x 4,5 m betrugen. Die Treppe schloß im Norden nicht bündig ab: Hier befand sich auf Höhe der obersten Treppenstufe ein weiterer Mauerdurchlaß mit einem Durchmesser von 10 cm, wohl der Badewasserablauf in den erwähnten Kanal zur Spülung der Latrine. Der Beckenboden bestand aus 40 x 40 cm großen Ziegelplatten, die auf einer 24 cm starken Mörtelbettung lagen. Ringsum am Übergang zu den mit Terrazzo verputzten Wänden zeigten sich Reste des gemörtelten Viertelrundstabes. Die Außenmauern waren mit 90 cm bemerkenswert breit, was sonst nur noch bei den Außenmauern der Wanne L beobachtet wurde. Raum E wurde später an die Nordwand der Räume H und I angebaut. Diese Wand war nämlich mit Fugenstrich versehen, an welchen die Mauern von Raum E mit einer Baufuge anstießen. Die Mauern von Raum E waren an drei Seiten so gut erhalten, daß der Eingang nur im Bereich der stark gestörten Westwand gelegen haben kann. Entlang der Südwand, 20 cm von dieser entfernt, verlief ein 40 cm breiter und 24 cm tiefer, mit Terrazzomörtel ausgekleideter Kanal. Er wurde vom Wasserabfluß des Beckens D gespeist und verlief außerhalb des Badegebäudes weiter nach Westen, wo er allerdings nicht weiterverfolgt wurde. Wo dieser Kanal die Wände querte, war je eine große Platte aus Sand- bzw. Kalkstein als Abdeckung vermauert. Der Boden von Raum E bestand aus kiesigem Mörtelestrich. In der Südostecke stand ein bearbeiteter Muschelsandstein auf dessen 70 x 60 cm großer Basis ein halbkreisförmiges Becken mit Einlauf, Überlauf und Ablauf, zum Kanal hin ausgerichtet, saß. Raum E ist als Latrine, das Steinbecken als Urinal oder Handwaschbecken zu deuten.

Im April 1928 suchte Heck in mehreren Sondagen das Hauptgebäude, stellte die Arbeit dann aber wegen fehlender Mittel ein. Gefunden wurde lediglich noch eine 90 cm breite Mauer sowie der Rest eines Mörtelbodens (D) etwa 70 m nordöstlich von Bau A.

Römische Funde: 1.* As Nero. 63/68. Münzstätte? RIC? Altfund 19. Jh. von der Siedlungsstelle. Publiziert: FMRD II 2 (1964) Nr. 2323,1 (unter Fundort "Tiengen"). AO: Unbekannt. Verschollen.

2.* Sesterz Hadrian. 118. Rom. RIC 552. Gefunden bei Grabungen 1926/28 im Praefurnium des Bades. Publiziert: FMRD II 2 (1964) Nr. 2302,1. AO: Unbekannt. Verschollen.

3.* As Severus Alexander. 235. Rom. RIC 543. 1914 am ,Glockenberg' gefunden. Wohl von der römischen Siedlungsstelle. Publiziert: FMRD II 2 (1964) Nr. 2323,4. Identisch mit FMRD II 2 (1964) 2324,1? AO: Unbekannt. Verschollen.

4. BS TS-Schüssel Drag. 29. Mehrzonige, durch Perlstäbe abgetrennte Dekoration der unteren Zone ähnlich ATKINSON 1914, Taf. V 21; KNORR 1919, Taf. 10 unten; MARY 1967, Taf. 15,1. Unterer Fries ähnlich RITTERLING 1912, Taf. XXV 13; KNORR 1912b,Taf. V 4; PLANCK 1975, Taf. 53,1. Innerhalb doppelter Rille fragmentierter Bodenstempel OFMOM[O]. La Graufesenque. Bdm. 8 cm. Gefunden bei Grabungen 1926/28. AO: HM Waldshut. Inv. Nr. Wa 23/1.

5. Bruchstück TS - Teller Hybridform Drag. 15/17-Drag. 18. Rdm. 16,7 cm. Bdm. 7,7 cm. Zu vollständigem Gefäß ergänzt. Gefunden bei Grabungen 1926/28. AO: HM Waldshut. Inv. Nr. Wa 21.

6. BS TS - Teller/Schüssel mit vollständigem Stempel RIIGINUSF. Reginus aus Baden - Aquae Helveticae. Ziegelroter, fein geschlämmter Tonkern, einzelne größere Kalkpartikel in der Magerung. Matter, rotbrauner Überzug. Bdm. 8,8 cm. Lesefund 1998 Gewann ,Steinbrunnen'. AO: LDA Freiburg. Inv. Nr. Gur 29.

7. Bruchstück TS - Teller Drag. 36. Rdm. 16,8 cm. Bdm. 6,2 cm. Zu vollständigem Gefäß ergänzt. Gefunden bei Grabungen 1926/28. AO: HM Waldshut. Inv. Nr. Wa 20.

8. Bruchstück TS - Napf Drag. 27. Rdm. 9,2 cm. Bdm. 4,2 cm. Zu vollständigem Gefäß ergänzt. Gefunden bei Grabungen 1926/28. AO: HM Waldshut. Inv. Nr. Wa 18.

9. Bruchstück TS - Napf Drag. 33. Rdm. 12,5 cm. Bdm. 5,2 cm. Zu vollständigem Gefäß ergänzt. Gefunden bei Grabungen 1926/28. AO: HM Waldshut. Inv. Nr. Wa 19.

10. RS TSI - Schüssel Drack 20/21. Feines Riefelband innen am Rand. Dunkelgrauer, fein geschlämmter Tonkern. Reste eines schwarzen Glanztonüberzugs auf Innen- und Außenseite. Rdm. 18 cm. Gefunden bei Grabungen 1926/28. AO: HM Waldshut. Inv. Nr. Wa 23/2.

11. RS Teller mit eingebogenem Rand. Braunoranger, fein geschlämmter Tonkern. Rotbrauner Überzug auf Innen- und Außenseite. Rdm. 24 cm. Stark abgerollt und verbrannt. Gefunden bei Grabungen 1926/28. AO: HM Waldshut. Inv. Nr. Wa 23/3.

12. BS Topf/Krug (?) mit leicht gewölbtem Standfuß. Helloranger, mit viel Glimmer gemagerter Ton. Bdm. 7 cm. Gefunden bei Grabungen 1926/28. AO: HM Waldshut. Inv. Nr. Wa 23/4.

13.* 15 rottonige und 27 grautonige WS tongrundiger Drehscheibenware, überwiegend mit Überzug. Gefunden bei Grabungen 1926/28. AO: HM Waldshut. Inv. Nr. Wa 23/7; Wa 23/8.

14. Dreieckiges Eisenfragment. Bruchstück einer Messerklinge? Gewicht 13 g. Gefunden bei Grabungen 1926/28. AO: HM Waldshut. Inv. Nr. Gur 1.

15. Eiserner Durchschlag bzw. Meißel mit gestauchtem Ende. Gewicht 74 g. Gefunden bei Grabungen 1926/28. AO: HM Waldshut. Inv. Nr. Gur 3.

16. Tordierter eiserner Vierkantstab. Querschnitt gleichmäßig stärker werdend. Gewicht 27 g. Gefunden bei Grabungen 1926/28. AO: HM Waldshut. Inv. Nr. Gur 6.

17. Eisensplint. Vollständig erhalten. Gewicht 6 g. Gefunden bei Grabungen 1926/28. AO: HM Waldshut. Inv. Nr. Gur 8.

18. Bruchstück eines mittig durchlochten Eisenbeschlags. Schloßblech? Gewicht 34 g. Gefunden bei Grabungen 1926/28. AO: HM Waldshut. Inv. Nr. Gur 2.

19. Eiserner T - Nagel mit vierkantigem Schaft. Spitze verbogen und abgebrochen. Gewicht 13g. Gefunden bei Grabungen 1926/28. AO: HM Waldshut. Inv. Nr. Gur 7.

20. Eiserner T-Nagel (?). Vollständig erhalten. Gewicht 9 g. Gefunden bei Grabungen 1926/28. AO: HM Waldshut. Inv. Nr. Gur 10.

21. 3 eiserne Scheibenkopfnägel mit vierkantigem Schaft. Schaftspitzen abgebrochen. Max. Gewicht 6,5 g. Gefunden bei Grabungen 1926/28. AO: HM Waldshut. Inv. Nr. Gur 9.

22.* 5 Schaftbruchstücke von Eisennägeln. Gefunden bei Grabungen 1926/28. AO: HM Waldshut. Inv. Nr. Gur 13.

23.* 2 flachgehämmerte Eisenbruchstücke. Länge 7 cm. bzw. 7,5 cm. Gefunden bei Grabungen 1926/28. AO: HM Waldshut. Inv. Nr. Gur 4; Gur 5.

24.* 3 flachgehämmerte Eisenplättchen. Gefunden bei Grabungen 1926/28. AO: HM Waldshut. Inv. Nr. Gur 12.

25.* Bruchstück eines flachgehämmerten Eisenrings. Gefunden bei Grabungen 1926/28. AO: HM Waldshut. Inv. Nr. Gur 11.

26.* 2 nußgroße Schlackebröckchen. Vermutlich Schmiedeschlacken. Gewicht 16 bzw. 21g. Gefunden bei Grabungen 1926/28. AO: HM Waldshut. Inv. Nr. Gur 14.

27.* 7 max. handtellergroße Wandverputzbruchstücke. 4 Stücke flächig pompejanisch-rot bemalt. 2 Stücke flächig schilfgrün bemalt, l Stück flächig weiß bemalt. Gefunden bei Grabungen 1926/28 im Badegebäude. AO: HM Waldshut. Inv. Nr. Gur 17; Wa 23/9.

28. 2 zusammenpassende Bruchstücke eines Leistenziegels (tegula) mit vollständigem Stempel LXXI S C VI. Eingetiefte Buchstaben in flau eingedrücktem Rechteckfeld. JAHN 1909, Typ 3 (21. Legion). Stempel überlagert bogenförmige Wischmarke. Brandspuren. Gefunden bei Grabungen 1926/28. AO: HM Waldshut. Inv. Nr. Gur 20.

29. 2 zusammenpassende Bruchstücke eines Leistenziegels (tegula) mit fragmentiertem Stempel L XXI S C V[I]. Eingetiefte Buchstaben in tabula ansata. JAHN 1909, Typ 3 (21. Legion). Gefunden bei Grabungen 1926/28 "auf der Schwelle im Ostraum des Badegebäudes". AO: HM Waldshut. Inv. Nr. Gur 23.

30. Bruchstück eines Leistenziegels (tegula) mit fragmentiertem Stempel L XXI [ ]. Eingetiefte Buchstaben in flau eingedrückter tabula ansata. JAHN 1909, Typ 3 (21. Legion). Neben dem Stempel doppelte bogenförmige Wischmarke. Gefunden bei Grabungen 1926/28. AO: HM Waldshut. Inv. Nr. Gur 24.

Plan Römerbad31. Bruchstück eines Leistenziegels (tegula) mit fragmentiertem Stempel [ ] XI. Eingetiefte Buchstaben in kräftig eingedrückter tabula ansata. JAHN 1909, Typ 9 (21. Legion). Gefunden bei Grabungen 1926/28. AO: HM Waldshut. Inv. Nr. Gur 22.

32. Bruchstück eines Leistenziegels (tegula) mit fragmentiertem Stempel [L]EG XXI. Eingetiefte Buchstaben in Rechteckfeld oder tabula ansata (?).]AHN 1909, Typ 9 (21. Legion). Stempel überlagert doppelte bogenförmige Wischmarke. Gefunden bei Grabungen 1926/28. AO: HM Waldshut. Inv. Nr. Gur 21.

33. Bruchstück eines max. 7,5 cm starken Ziegels (Suspensuraplatte?) mit vollständigem Stempel LEGXICPF. Erhabene Buchstaben in tabula ansata. JAHN 1909, Typ 14/16 (11. Legion). Mörtelreste ziehen über das Stempelfeld. Brandspuren auf Vorder- und Rückseite. Gefunden bei Grabungen 1926/28. Vermutlich aus Raum H. AO: HM Waldshut. Inv. Nr. Gur 16.

34. Ziegelbruchstück mit fragmentiertem Stempel LEG XIC [P F]. Erhabene Buchstaben in kraftig ausgeprägter tabula ansata. JAHN 1909, Typ 14/16 (11. Legion). Stempel überlagert bogenförmige Wischmarke. Stark verbrannt. Gefunden bei Grabungen 1926/28. AO: HM Waldshut. Inv. Nr. Gur 25.

35. 2 zusammenpassende Bruchstücke eines Leistenziegels (tegula) mit fragmentiertem Stempel LEG XI [C P F]. Erhabene Buchstaben in tabula ansata. JAHN 1909, Typ 14/16 (11. Legion). Neben dem Stempel bogenförmige Wischmarke. Gefunden bei Grabungen 1926/28. AO: HM Waldshut. Inv. Nr. Gur 26.

36. 2 Bruchstücke von 2 Leistenziegeln (tegulae) mit je einem Abdruck eines Paarhufers (Schaf/Ziege). Gefunden bei Grabungen 1926/28. AO: HM Waldshut. Inv. Nr. Gur 19.

37. Bruchstück eines Leistenziegels (tegula) mit zwei Abdrücken von Hundepfoten. Gefunden bei Grabungen 1926/28. AO: HM Waldshut. Inv. Nr. Gur 19.

38. Bruchstück eines Leistenziegels (tegula) mit Abdruck einer Hundepfote. Daneben, noch im Ziegel steckend, eiserner Scheibenkopfnagel. Nagelloch nach dem Brand beidseitig in den Ziegel gepickt. Gefunden bei Grabungen 1926/28. AO: HM Waldshut. Inv. Nr. Gur 19.

39. Bruchstück eines Leistenziegels (tegula) mit Abdruck einer Hundepfote. Gefunden bei Grabungen 1926/28. AO: HM Waldshut. Inv. Nr. Gur 15.

40.* 3 Bruchstücke von Leistenziegeln (tegulae). Gefunden bei Grabungen 1926/28. AO: HM Waldshut. Inv. Nr. Gur 18.

41* 13 quadratische Hypokaustpfeiler - Ziegelplatten (bessales), 2 runde Hypokaustpfeiler-Ziegel, 7 Suspensuraplatten. Gefunden bei Grabungen 1926/28. AO: HM Waldshut (zu einer Hypokaustanlage rekonstruiert). Ohne Inv. Nr.

42. Bearbeiteter monolithischer Steinblock aus Muschelsandstein. 70 x 60 cm große, 10 cm starke Basisplatte mit halbkreisförmigem, 15-18 cm tiefem Becken. Ringsum erhöhter Rand mit zwei muldenförmigen Vertiefungen, rechtwinklig zuein-ander liegend. Unter dem schmaleren Einlauf/Überlauf, an der Beckensohle, ein röhrenartiger Ablauf von etwa 5 cm Durchmesser. Handwaschbecken? Gefunden 1928 in der Latrine des Badegebäudes. AO: HM Waldshut. Ohne Inv. Nr.

Völkerwanderungszeitliche Funde:

43. RS Kumpf/Topf mit einziehendem, innen leicht abgestrichenem Rand. Graubrauner, mit Quarz und Glimmer gemagerter Ton. Außenseite etwas geglättet bzw. verstrichen. Frei geformte Ware. Rdm. 26 cm. Gefunden bei Grabungen 1926/28. AO: HM Waldshut. Inv. Nr. Wa 23/5.

44. WS Schüssel/Schale mit ausladendem Hals. Auf der Schulter bandartige Verzierung aus zwei umlaufenden Horizontalrillen, dazwischen von Schrägrillen eingefaßte dreieckige Keilstiche. Schwarzbrauner, mit etwas Glimmer gemagerter Tonkern. Schwarzgraue, geglättete Oberfläche. Freigeformte Ware. Gefunden bei Grabungen 1926/28 im Badegebäude, in der "Geröll-Einfüllung" des Kaltwasserbeckens. Publiziert: GARSCHA 1970, Taf. 8,4. AO: LDA Freiburg. Inv. Nr. Wa 342.

45. WS Schüssel/Schale. Auf der Schulter zwei Gruppen von je drei umlaufenden Horizontalrillen. Schwarzbrauner, mit etwas Glimmer gemagerter Tonkern. Schwarzgraue, geglättete Oberfläche. Frei geformte Ware. Gefunden bei Grabungen 1926/28 im Badegebäude, in der "Geröll-Einfüllung" des Kaltwasserbeckens. Publiziert: GARSCHA 1970, Taf. 8,5. AO: LDA Freiburg. Inv. Nr. Wa 342.

46.* 3 unverzierte WS frei geformter, reduzierend und sehr hart gebrannter Ware. Dunkelgrauer, mit feinem Quarzsand gemagerter Tonkern. Schwarze, geglättete Oberfläche. Völkerwanderungszeitlich? Gefunden bei Grabungen 1926/28. AO: HM Waldshut. Inv. Nr. Wa 23/6.

47. Bronzene Armbrustfibel mit massivem, vierkantigem Bügel, kurzem Nadelhalter und dachartig gewölbtem, spitz zulaufendem Fuß. Nadel fehlt. Rest der eisernen Nadelspirale im Bügelloch ankorrodiert. Gewicht 22,5 g. Flächig grüne Patina. Gefunden bei Grabungen 1926 im Gebäude A. AO: HM Waldshut. Inv. Nr. Wa 22.

Kommentar: Die römischen Bauten vom ,Schlößlebuck' sind einem Gutshof mit einer Mindestausdehnung von ca. 230 x 120 m (= 2,76 ha) zuzuweisen. Während die Zweckbestimmung von Gebäude C als separates Bad eindeutig ist, können die Bauten A und B nur über den Vergleich mit andernorts bekannten Grundrissen ansatzweise gedeutet werden. Für Gebäude A ist dabei eine Interpretation als Sakralbau oder Turmspeicher, für Bau B als Wirtschaftsbau (Speicher?) zu vermuten. Ob der seinerzeit nur sondierte Bau D mit Mörtelboden zum Hauptgebäude gehört, ist aufgrund der Lage oben am Hang zwar möglich, aber nicht zu belegen. Wegen der lückenhaften Dokumentation kann auch die Baugeschichte des Bades und die Funktion seiner Räume nicht vollständig geklärt werden. Im Originalbericht werden zwar mehrfach Baufugen erwähnt, diese stimmen aber mit den Eintragungen der Pläne nicht immer überein. Ebensowenig finden sich Hinweise auf ältere Mauerzüge. Erst nachdem W. Deecke und E. Fabricius die Grabungen im Herbst 1926 besuchten, rechnete der Ausgräber selbst mit mehreren Bauphasen. Seiner Beschreibung zufolge stießen die Mauern der Räume B, C und E mit Fugen an die ehemaligen Außenmauern eines älteren Kernbaus (Räume F - K) von ca. 9,5 x 8 m Größe, dessen 60 cm breite Mauern sorgfältiger gesetzt und 10 cm breiter waren als die Wände der Anbauten. P. Revellio zufolge gehörte Praefurnium C und Apodyterium B bereits zum Kernbau, angebaut wurde lediglich Latrine E. W. Heinz rekonstruierte anhand der Entwicklung anderer Villenbäder einen Kernbau mit Caldarium in Raum K, Tepidarium in Raum F und Frigidarium/Apodyterium in Raum H. Die Piscina sah er als späteren Anbau, da sie sonst in der von ihm rekonstruierten ersten Bauphase knapp die Hälfte der Bausubstanz ausgemacht hätte. In einer zweiten Bauphase habe man die Hypokaustierung im ehemaligen Tepidarium Raum F abgebrochen, den Hohlraum aufgefüllt und das Zimmer als Frigidarium genutzt. Neu dazu seien auch zwei kleine Tepidarien (Räume I und H), die zur Piscina führten, gekommen. Wohl ebenfalls dieser Bauphase zuzurechnen sei der heizbare Raum B, von Heinz als Apodyterium interpretiert. Schließlich stattete man das nun deutlich vergrößerte Bad mit einer wassergespülten Latrine aus (Abb. 38 unten). Die von Heinz vorgeschlagene Datierung - das 3. Drittel des 1. Jhs. für Bauphase I, das 1. Drittel des 2. Jhs. für Bauphase II - ist im Analogieschluß interpoliert. Insbesondere der im Praefurnium gefundene Sesterz des Hadrian (2) kann m. E. nicht ausschließlich als Terminus ante für die gesamte zweite Bauphase interpretiert werden. Die Ziegelstempel wurden ausschließlich im Badegebäude und hier zumeist im Bauschutt, also ohne näheren Befundzusammenhang, gefunden. Je zwei Stempel der 21. und 11. Legion auf Leistenziegelbruchstücken fanden sich in den Räumen B und C, ein Stempel der 11. Legion auf einer "Hypocaustenplatte" in Raum H. Über die Verteilung der Ziegelstempel lassen sich keine Aussagen zur Baugeschichte treffen, da sie zumeist in sekundärer Lage gefunden wurden. Der Fund einer Armbrustfibel (47) in Gebäude A sowie die germanische Keramik aus dem Bad spricht dafür, daß mehrere Bauten des Gutshofes von germanischen Neusiedlern aufgesucht oder wiederbenutzt wurden. Zugehörige Befunde wurden seinerzeit nicht dokumentiert und sind auf Zeichnungen oder Fotos auch nicht zu erkennen. Von baulichen Aktivitäten in der Völkerwanderungszeit könnte vielleicht eine Beobachtung beim Badegebäude zeugen: Während im Bad überall römischer Mauer- und Ziegelschutt beobachtet wurde, war das Schwimmbecken D mit Flußgeröllen verfüllt, worin neben römischer und (eingepflügter?) neuzeitlicher Keramik auch verzierte germanische Ware (44; 45) lag. Das Fehlen von Bau- und Ziegelschutt könnte aber auch damit zusammenhängen, daß das Becken als einziger Raum nicht überdacht war, sondern im Freien lag.

72. Gurtweil WT (Stadt Waldshut-Tiengen)

,Müßler'

Einzelfund: Römische Münze

Literatur: Fundber. Baden-Württemberg 22/2, 1998, 337 Nr. l

Fund: l* Dupondius Traian. 101/102. Rom. RIC 428. Etwas abgegriffen. AO: LDA Freiburg. Inv. Nr. Gur 27.

Kommentar: Im Mischwald auf der Anhöhe südwestlich von Gurtweil fand J. Hessel 1994 in der Nähe zweier "Lesesteinhaufen" - vermutlich vorgeschichtliche Grabhügel - auch einen Dupondius des Traian. Begehungen erbrachten bislang keine weiteren Funde. - TK 8315.

73.* Gurtweil WT (Stadt Waldshut-Tiengen)

Ortsetter: Schloß

Römische Funde?

Literatur: L. BERINGER, Geschichte des Dorfes Gurtweil (Waldshut 1960) 20.

Kommentar: Vor 1850 sollen beim Bau eines Kellers neben dem Gurtweiler Schloß "römische Funde, darunter ein Marmorblock" gefunden worden sein. Diese Objekte sind heute verschollen, seither hat es keine weiteren Beobachtungen gegeben. Eine römische Siedlung am Platz des urkundlich erstmals 1407 erwähnten Schlosses ist vorerst nicht zu belegen. Es ist aber nicht auszuschließen, daß zum Bau des Schlosses auch Spolien aus dem ca. 900 m weiter östlich gelegenen Gutshof .Schlößlebuck' [71] verwendet wurden. - TK 8315.

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