Quelle:
Badische Fundberichte
Sonderheft 11 1969
Urgeschichte des Hochrheins
von Egon Gersbach

Gurtweil

Funde

1. "Höllstein".

1941 wurde auf dem Grundstück Lgb. Nr. 267 auf der Niederterrasse der Schlücht ein Trapezbeilchen aufgelesen.

Fund : Trapezbeilchen aus Jadeit, völlig überschliffen; L. 4,3 cm (Taf. 62, 8)

Verbleib: Heimatmuseum Waldshut, Inv. Nr. Wa 593.

Lit.: Bad. Fundber. 17, 1941 - 1947, 263 Taf. 62, 6.

2. "Im Steinbrunnen" - "In der alten Rütte".

1942 auf einer Schotterterrasse östlich der Schlücht im Bereich der villa rustica als Lesefunde drei vorrömische Scherben.

Verbleib: Heimatmuseum Waldshut, Inv. Nr. Wa 597.

3. "Moos".

In einem Weinberg auf dem Grundstück Lgb. Nr. 1336 dicht an der Gemarkungsgrenze mit Bürgeln als Lesefunde mehrere Silices. Die Fundstelle liegt auf dem Ostabhang der Muschelkalkhöhen westlich der Schlücht.

Verbleib: Unbekannt.

Lit.: Bad. Fundber. 17, 1941 - 1947, 251.

4. "Ringelhalde", 400 - 410 m.

1910 wurde auf dem großen Weinberggelände nördlich des Ortes, südlich von Pkt. 400,0 m, ein kleines Steinbeil unbekannter Form aufgehoben. Die Fundstelle liegt im Muschelkalk der steilen, westlichen Talflanke der Schlücht, die von der Südostabdachung des Hungerbergplateaus gebildet wird.

Verbleib: Unbekannt.

5. "Rohhalde".

1941 wurden auf einer Schlüchtterasse im Dreieck Wutach - Schlücht - Bahnlinie Waldshut - Tiengen neolithische Steingeräte aufgesammelt.

Funde: 1 Vier z. T randretuschierte Klingenabschläge. - 2. Ein Blattbohrer. Rohstoff: Muschelkalkhornstein Chalzedon - 3. Stumpfnackiges; Walzenbeil aus Serpentin mit gepicktem Oberteil und geschliffener Scheid; Querschnitt oval; L. 13,3 cm (Taf. 62, 9).

Verbleib: Heimatmuseum Waldshut, Inv. Nr. Wa 594; 601.

Lit.: Bad. Fundber. 17, 1941 - 1947, 263 Taf. 62, 9.

6. Schloß Gurtweil.

1941 fanden sich im Umkreis des Schlosses fünf unverzierte, grob gemagerte vorrömische Scherben.

Verbleib: Heimatmuseum Waldshut, Inv. Nr. Wa 592.

7. "Steinäcker".

1875 pflügte Landwirt Tröndle auf seinem Acker südlich des Ortes Teile eines Bronzeschwertes aus. Diese stammen vermutlich aus einem völlig abgepflügten und eingeebneten Grabhügel der mittleren Bronzezeit (Reinecke Bz C) auf der Schotterfläche westlich der Schlücht.

Funde: Vollgriff mit Klingenoberteil eines Bronzeschwertes. Griff auf die Klinge aufgeschoben oder aufgegossen und mit zwei heute verlorenen Nieten auf dieser befestigt. Knaufscheibe oval, leicht aufgewölbt, glatt. Griffstange konisch, Heft straff ausladend, dreiviertelkreisförmig ausgeschnitten und mit spitzen Heftflügeln. Auf einer Seite Anbohrung zur Materialentnahme? Griff vollkommen blankgescheuert oder -gefeilt. Patina noch in Spuren erhalten. Rapierklinge alt abgebrochen; Querschnitt rhombisch; entpatiniert; erh. L. 14,2 cm. Nach Klingenform und Erhaltungszustand gehört ein weiteres, alt abgebrochenes Klingenstück, dessen unteres Ende rezent aufgebogen ist, ebenfalls zu diesem Schwert; erh. L. 16,4 cm (Taf. 69, 1; 125, 1).

Verbleib: Bad. Landesmuseum Karlsruhe, Inv. Nr. C 5304.

Lit.: E. Wagner, Hügelgräber 19. - Ders., Fundstätten l (1908) 135 Abb. 85. - L. Henrich, Bilder aus der Heimat. Der Oberrhein in vorrömischer Zeit. Säckinger Tagblatt Nr. 16, 1899. - R. Hachmann, Frühe Bronzezeit 138. 207 Nr. 438.

8. "Steinäcker".

1881 unternahm C. F. Mayer, Bürgermeister von Waldshut, eine Nachgrabung angeblich an der gleichen Stelle des Ackers, wo acht Jahre zuvor das Bronzeschwert (s. u. Gurtweil Nr. 7) zum Vorschein gekommen war; er vermutete dort, wie sich herausstellen sollte zu Recht, in einer leichten Bodenerhebung einen völlig verschleiften und eingeebneten Grabhügel. Allerdings schnitt er nicht den gesuchten mittelbronzezeitlichen, sondern einen unbekannten Grabhügel der älteren Hallstattzeit (Ha C) an, s. u. Grabhügel, Waldshut Nr. 7.

Mayer stieß schon in 0,80 m Tiefe - wahrscheinlich vom Hügelscheitel aus gemessen - auf eine Rollsteinpackung, die zwei verzierte Schalen und eine große Urne mit Leichenbrand umgab. Weitere Einzelheiten sind leider nicht bekannt; es handelt sich jedoch fraglos um die zentrale, in den Terrassenkies eingeschachtete Bestattung eines Hügelgrabes.

Funde: 1. Hohe, birnförmige Urne mit scharf abgesetztem Schrägrand; Ton dunkelbraun, gut geglättet; H. 37,6 cm, Randdm. 24 cm (Taf. 108, 8). - 2. Weitmündige, geschweifte Schale mit abgesetztem und stark eingedelltem Boden; auf dem Schrägrand und innen, nahe dem mit einem dreistichigen Speichenkreuz versehenen Boden, je ein eingeritztes, zweistrichiges Winkelband; Ton hellbraun, gut geglättet; Randdm. 31 cm (Taf. 108, 6) 3. Weitmündige Schale mit stark eingeschweiftem Unterteil und deutlich abgesetztem, ebenem Boden; auf dem nach innen abgekanteten Rand sowie innen dicht über dem Boden stehende, schraffierte Dreiecke; Ton hell- bis rötlichbraun, gut geglättet; Randdm. 27,5 cm (Taf. 108, 7).

Verbleib: Bad. Landesmuseum Karlsruhe, Inv. Nr. C 5305. 5310.

Lit.: E. Wagner, Hügelgräber 19. - Ders., Fundstätten 1 (1908) 135 f. - Säckinger Tagblatt Nr. 16, 1899.

9. "Steinäcker".

1954 fanden sich nordwestlich von Pkt. 360,0 m auf der Niederterrasse der Schlücht zwei Silexartefakte und zwei vorgeschichtliche Scherben, davon eine mit einer rundlichen Knubbe.

Verbleib: Heimatmuseum Waldshut, Inv. Nr. Wa 54/1.

Grabhügel

Gurtweil.

a) "Gaffenhalde", 500-510m.

1937 wurde auf der bewaldeten Südostabdachung des Hungerbergplateaus, südwestlich des Ortes, ein regelmäßig gewölbter Steinhügel entdeckt. Er liegt auf einer sanft nach Südosten einfallenden Verebnung, besitzt einen Dm. von 6 m, eine H. von ca. 1,50 m und ist offenbar unbeschädigt. Weitere Hügel dieser Art sind in der Nachbarschaft nicht auszumachen. Es dürfte sich eher um einen Grabhügel denn um einen großen Lesesteinhaufen handeln.

b) "Steinäcker".

1881 untersuchte C. F. Mayer, Waldshut, auf der weiten Schlüchtterrasse südlich des Ortes eine mäßige Bodenerhebung, in der er einen stark verschleiften Grabhügel vermutete. Er stieß dabei auf eine in die Niederterrasse eingetiefte Brandbestattung der älteren Hallstattzeit (Ha C), die einst ganz fraglos von einem Hügel überwölbt worden ist (s. Fundkat. Gurtweil Nr. 8). Aufbau und Ausmaße dieses Hügels sind ebenso unbekannt wie seine genaue Lage auf der Terrassenfläche. Allerdings ist etwas terrasseneinwärts von Pkt. 362,0 m eine begrenzte, schwache, aber deutliche Bodenerhebung zu bemerken, die sehr wohl die Stelle des fraglichen Grabhügels markieren könnte.

Lit.: E. Wagner, Westd. Korrespondenzbl. 1882, I, Nr. 1. - Ders., Hügelgräber (1885) 19. - Ders., Fundstätten l (1908) 135 f.

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