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Die Verwaltungsorgane des Dorfes Gurtweil

Vögte, Bürgermeister und Gemeindebedienstete

  

In der Geschichte des Dorfes Gurtweil dürfen jene Männer nicht übergangen werden, die oft in schweren Zeiten sich für die Allgemeinheit opferten und einsetzten. Es sind dies die Vögte und Bürgermeister und die anderen Gemeindebediensteten. Was alte Schriften und sonstige Akten von ihnen erzählen, möge hier, wenn auch mit manchen Lücken, Erwähnung finden.

            Die Vögte und Bürgermeister von Gurtweil

Das wichtigste Gemeindeamt war seit alten Zeiten das des Vogtes und späteren Bürgermeisters. Wie wir schon im letzten Kapitel sahen, wurde der Vogt von der Herrschaft aus der Reihe der Bürger meist auf Lebenszeit ernannt und mußte bei Antritt seines Amtes den bereits angeführten Amtseid ablegen. Er bekam von der Herrschaft alle zwei Jahre einen neuen Rock und 2 Pfund Heller, sowie von den Leuten bei Dienstverrichtungen kleinere Gebühren und später einige Klafter Holz.

Aus älterer Zeit sind uns die Namen der Vögte nur lückenhaft überliefert. Im Jahre 1502 stellte Hans Hafner , Vogt in Gurtweil, eine Urkunde aus. Am  13. Juli  1593 erscheinen urkundlich «Hans  Schmid, dieser Zeit Vogt, und Hans Stigeler, dieser Zeit Stabführer zu Gurtweil». Im Jahre 1602 ist Hans Ehefrank Vogt.
Nach dem 30 jährigen Krieg wird für die Jahre 1646 und 1649 sowie am
2. April 1656 Hans  Schlaginhausen als Vogt erwähnt. Am letztgenannten Tage machte er ein Testament, worin er seine Enkel, nämlich Elisabeth, Nikolaus und Anna Reinhard, Kinder seiner Tochter Verena, zu Erben der Hälfte seines Vermögens einsetzt, während die andere Hälfte seine Ehefrau Elisabeth, geborene Straubhaar bekommen soll. Ferner sollen 8 Gulden der Pfarrkirche St. Konrad zu Gurtweil zur Verbesserung der großen Glocke zukommen. Testamentszeugen waren Mathias Ott, Doktor der Rechte, Rat von St. Blasien und Obervogt der Herrschaft Gutenburg, der Geschworene Nikolaus Straubhaar so wie Hans Laubi und Peter Reinhard.
Sein Nachfolger war wohl Johann  Gamp, gestorben 1662. 
Bei der Huldigung für Abt Oddo im Juli 1664 tritt Adam Kuoni als Vogt in Erscheinung. Er starb am 3. Juni 1670. 
Kaspar Klemm
wird 1666 als Vogt genannt Nachher war für längere Zeit Hartmann Jehle  Vogt. Er kommt als solcher 1682 vor und starb im Jahre 1711.
Von
1700 bis 1720 wird Jakob Hauser als Vogt angeführt. Sein Todestag war der 17. Juli 1722.
Kaspar Hauser
ist als Vogt erstmals bezeugt im Jahre 1724. Er war 36 Jahre lang Vogt und starb am 3. Juni 1756 als Witwer. Schon im Jahre 1743 wollte er nach 20 jähriger Tätigkeit wegen Alters, schlechten Gehörs und Gesichts und wegen der Kriegsbeschwerden abdanken. Der Probst Stanislaus Wülberz und der Obervogt Kepfer nahmen seinen Rücktritt nicht an und die Sache kam zur Entscheidung nach St. Blasien. Der Abt ordnete an, es solle ihm eine Beihilfe gegeben werden. Bei der Gemeindeversammlung am 31. Oktober 1743 im Hause von Franz Maier bekam er als Helfer den Müller Andreas Stigeler. Unter Kaspar Hauser wurde die Kirche gebaut.
Andreas Stigeler
, der Müller, wurde am 12. Mai 1760 gegen seinen Willen zum Vogt ernannt. Aus seiner Amtszeit ist im Gemeindearchiv noch ein Protokollbuch vorhanden, das uns zeigt, wie die Gemeindeversammlungen gehalten wurden und was alles Gegenstand der Sorge war. Er scheint viel auf schriftliche Aufzeichnungen gegeben zu haben. Doch schon am 4. Mai 1764 gab er sein Amt in die Hände des Obervogtes Hofrat Kepfer aus. Er starb am 9. März 1770 im Alter von 74 Jahren, mit dem Lob im Totenbuch, das Vogtamt löblich verwaltet zu haben.
Am
27. Mai 1766 bekam Jakob Maier die Last des Amtes und trug sie 10 Jahre lang, bis er am 17.Juni 1778 vom Speicher herunterfiel und kurz darauf im Alter von 53 Jahren starb.
Der Wirt Josef Hauser wurde sein Nachfolger. Nach 10 jähriger Amtszeit trat  er altershalber zurück und überließ auch die Wirtschaft seinen Stiefkindern. Am
20. Mai 1776 starb er im 67. Lebensjahr an Schlagfluß. Er war geboren am 5. September 1709.
Der Geschworene Johann  Straubhaar, «ein Mann von gesunder Vernunft, ehrlichen Mitteln, christlicher Aufführung, der Herrschafts- und Gemeindeangelegenheiten kundig», wurde von der Herrschaft am
23. Dezember 1786 zum Vogt ernannt. Seit alters, so erfahren wir von ihm, trug das Vogtamt nur 4 Gulden und 3 Klafter Holz pro Jahr ein. Im September 1795 bat er den Abt von St. Blasien um Entlassung aus dem Amte, da er arm sei und für Weib und Kind zu sorgen habe. Wegen seiner Armut würden ihn die Bürger nicht achten. Mit Schreiben vom 25. September 1795 wurde er entlassen. Vogt Straubhaar war bei der Gemeinde beliebt, nur sein Schwager war gegen ihn.
Zum Nachfolger wurde der Geschworene Franz Herzog ernannt. Infolge der Kriegszeiten und weil nach dem Bericht des Obervogtes Schalberg junge, rappelköpfige Bürger mit alten Lumpen Uneinigkeit stifteten, trat auch Herzog zurück, angeblich aus Sorge für seinen Haushalt und wegen allzu geringer Bezahlung. Er habe sich nur für 3 Jahre verpflichtet. Der Abt aber wollte ihn nicht entlassen und so amtete er bis 1810 weiter, starb dann an Lungensucht am 16. Januar 1813. Geboren war Franz Edmund Herzog am
11. September 1750 und verheiratet mit Maria Boller.
1810 wurde
Josef Jehle Vogt und verwaltete 10 Jahre lang dieses Amt. Sein Nachfolger wurde 1820 Aloys Jehle, geboren am 20. Juli 1777 in Waldkirch. Er hatte im Februar 1810 Regina Klemm geheiratet. Gestorben ist er am 13. August 1832. Nach ihm war etwa 6 Jahre lang Josef Tröndle Vogt, der letzte, der diese Bezeichnung führte.
Ihm folgte 1832 Matthäus Schlosser als Bürgermeister, wie nun nach der neuen gesetzlichen Ordnung die Vögte gen
nannt wurden. Er dankte schon nach 2 Jahren wieder ab und nun übernahm Bernhard Tröndle für 8Jahre zum erstenmal dieses Amt. Tröndle war 1797 geboren und mit Agatha Klemm verehelicht. Vom Jahre 1842 bis zum Revolutionsjahr 1848 war Matthäus Strittmatter Bürgermeister, mußte aber dann wegen Teilnahme an der Revolution sein Amt abgeben.
Zum zweiten Male wurde Bernhard Tröndle Bürgermeister und blieb es bis zu seinem Tode im Jahre 1865. Schon im Jahre 1854 sollte Neuwahl sein und es wurde dabei am 3. Juli der Ratschreiber Gottfried Gamp gewählt, doch wurde ihm die Bestätigung von der Regierung des Oberrheinkreises versagt. Auch dem am
22. Januar 1855 gewählten Johann Schlosser wurde keine Genehmigung erteilt, weil er ebenso wie Gottfried Gamp bei der Revolution von 1848/49 mitgemacht hatte. So griff man beim 3. Wahlgang am 22. März 1855 auf den früheren Bürgermeister Bernhard Tröndle zurück, der mit 30 von 46 Stimmen wieder gewählt wurde. Bernhard Tröndle wohnte im Hause der Vonderach, nördlich vom Pfarrhaus. Am 7. Februar 1859 empfing er mit den 64 anderen Bürgermeistern des Amtsbezirks Waldshut in feierlicher Weise die Amtskette, was die Gemeinde 15 1/2 Gulden kostete, Am 4. Juni 1864 bat er um Amtsenthebung, da er seine Liegenschaften seiner Tochter übergeben hatte, doch wurde seiner Bitte nicht stattgegeben. Am 27. Juni 1865 starb er.
Bei der Wahl am 8. August 1865 wurde der Ziegler Karl Gamp gewählt. Er trat am 15. September sein Amt an mit einer Mahnung zur Einigkeit, zum Frieden und zur Unterstützung. Doch schon im Februar 1867 bat er um Entlassung, die jedoch nicht angenommen wurde. Als er bei der Neuwahl am 1. September 1871 wiedergewählt wurde, lehnte er ab. Es wurde dann am
23. September Fridolin Zuber gewählt. Er übte sein Amt nur bis zum 10. April 1874 aus, wo er in einer Gemeindeversammlung entlassen wurde. Er war geboren am 4. März 1835 und starb am 13. Januar 1906 in Jestetten.
Konrad Tröndle
, geboren am 17 August 1838, verheiratet mit Maria Maier in erster und Paulina Zimmermann in zweiter Ehe, wurde am 18. Mai 1874 zum Bürgermeister gewählt. Nach dem Tode seiner ersten Frau bat er 1879 um Entlassung. Es kam zu schwierigen Neuwahlen, aus denen schließlich Matthä Maier, geboren 1819, hervorging. Er lehnte zuerst auch ab, mußte aber bei Strafandrohung das Amt annehmen und führte es bis zum Ablauf der Amtszeit am 1. September 1885. Er war verheiratet mit Johanna Fuchs, starb kinderlos im Jahre 1904.
Jetzt wurde Karl Gamp zum zweiten Male Bürgermeister bis zum November 1891. Seine Ehefrau war Maria Schmid von Bierbronnen; gestorben ist er am 23. Januar 1900. Sein Nachfolger, der zuerst wegen Kränklichkeit nicht annehmen wollte, wurde für 9 Jahre Xaver Tröndle, der 1842 geboren und mit Josepha Marder von Bürglen verheiratet war. Er starb am
22. März 1918. 
Nach ihm kam Florian Strittmatter , geboren 1844, verheiratet mit Josepha Isele von Staufen bei Brenden. Noch vor Ablauf seiner Amtszeit starb er am 3. Februar 1907. Bei der Neuwahl wurde 0tto Gamp, der Sohn des früheren Bürgermeisters Karl Gamp gewählt. In der schweren Zeit des ersten Weltkrieges hatte er sein Amt zu verwalten. Gestorben ist er am
27. Juni 1939.
Am 2. Juli 1919 wurde Johann Ebi Bürgermeister und am 10. Juni 1928 für weitere 9 Jahre wiedergewählt. Er war geboren 1868 in Indlekofen und verheiratet mit Anna Gamp und nach deren Tod mit Notburga Tröndle. Sein besonderes Werk war der Schulhausneubau im Jahre 1931. Er starb im Jahre 1946. Als seine Amtszeit 1937 abgelaufen
war, wurde der Ortsgruppenleiter Johann Granacher, geboren 1901 in Gutenburg, verheiratet mit Notburga Gamp, Bürgermeister und am 24. August 1937 durch den Landrat Hofheinz und den Kreisleiter und Kreisschulrat Woll in sein Amt eingesetzt. Als er im November 1942 zur Wehrmacht eingezogen wurde, übernahm Julius Rüde als sein Stellvertreter das Amt und bekleidete es bis zum 16. November 1945. Seine Aufgaben waren zur Zeit des Krieges und besonders während der französichen Besetzung mit den vielen Abgaben sehr schwer. Granacher ist seit Kriegsende im Osten vermißt. Vom 16. Nov.1945 bis zum 5. Dez. 1948 war Gemeinderechner Alois Hauser zugleich provisorischer Bürgermeister.
Bei der Wahl am 5. Dezember
1948 wurde Julius Rüde zum Bürgermeister gewählt. Nach Ablauf seiner ersten neunjährigen Amtszeit wurde er im Jahre 1947 mit großer Mehrheit wiedergewählt. Wie überall wurden unter Bürgermeister Julius Rüde bis jetzt manche Bauarbeiten vorgenommen, die hier erwähnt werden sollen. Im Jahre 1951 wurde mit einem Kostenaufwand von rund 100 000 Mark das Gemeindehaus mit Zuchttierstallungen, Schlachtraum und Wohnungen gebaut. 1953 wurde das Rathaus nach Norden verlängert, ein Saal eingebaut, die Milchzentrale neu errichtet und ein Raum für die Feuerspritze erstellt, was auf etwa 50 000 Mark zu stehen kam. Im oberen Stock des Rathauses wurde eine Wohnung eingebaut. In den Jahren 1957/59 wurden die meisten Straßen geteert, Waldwege ausgebaut und für 44 000 Mark ein Wirtschaftsweg durch den ehemaligen Rebberg angelegt, wozu aus dem «grünen Plan» 19 000 Mark zugeschossen wurden. Zur Zeit wird für 90000 Mark ein neues Wasserreservoir mit einem Fassungsvermögen von 400 m³ und ein Mehrzweckhaus mit Gefrieranlagen, Trotte usw. errichtet, wozu auch vom Staat namhafte Zuschüsse gegeben werden. In Vorbereitung ist der Bau einer Kinderschule.

aus: Geschichte eines Dorfes Gurtweil, von Leo Beringer

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