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Das Leben des Ordensgründers Pater Franz Maria vom Kreuz Jordan

Am 16. Juni 1848, dem Jahr, wo es überall gärte, erblickte Jordan das Licht der Welt als Sohn des Lorenz Jordan und der Notburga, geb. Peter. Der Vater starb schon mit 45 Jahren am 19. Mai 1863, die Mutter erreichte das 74. Lebensjahr und starb am 2. Dezember 1896. Das kleine Geburtshaus zwischen dem "Hirschen" und der Post steht noch. Es war damals mit Stroh gedeckt und sah viel armseliger aus als heute. Johann Baptist, wie das Kind am 17. Juni 1848 getauft wurde, wuchs als der zweitälteste unter drei Brüdern auf. Die drei schliefen zusammen in einer dunklen Kammer, die kaum ein richtiges Fenster hatte. In der Schule war der Junge sehr begabt, aber auch mutwillig. Nach seiner ersten hl. Kommunion war er wie umgewandelt, liebte das Gebet und lebte mehr für sich. Nach der Schulzeit kam er zum Malermeister Hildebrand in die Lehre und wurde Dekorationsmaler. Erst mit 21 Jahren entschloß er sich zum Studium, nahm zunächst bei Kaplan Werber, dem späteren Radolfzeller Stadtpfarrer, in Waldshut Stunden, und bei Kaplan Nägele, dem späteren berühmten Schneckenpfarrer. Danach besuchte er in Konstanz das Gymnasium, wo er auf die Wohltätigkeit guter Leute angewiesen war, und absolvierte dort die Reifeprüfung. Nach dem Theologiestudium in Freiburg wurde er am 21. Juli 1878 in St. Peter zum Priester geweiht. Seine Primiz hielt er in Döttingen im Aargau, weil er sie infolge des Kulturkampfes nicht in seiner Heimatgemeinde Gurtweil feiern durfte. Nachher hielt er sich noch 14 Tage in Gurtweil auf, durfte aber die hl. Messe nur hinter verschlossenen Kirchentüren lesen.

Schon in seiner Gesellen- und Theologenzeit war er in der Welt herum gekommen. Als Malergeselle ging er im Jahre 1867 auf die Wanderschaft und kam nach Augsburg. Regensburg, München, Berlin, Hamburg und nach Böhmen. Während der Studienzeit unterstützte ihn besonders seine Taufpatin in Gurtweil, die Frau des Müllermeisters Keller. Während der Studienferien ging er in fremde Länder, nach Frankreich, Holland in die Schweiz und nach Italien. Er hatte eine besondere Begabung für Sprachen, während ihm das Rechnen weniger leicht fiel. Nach der Priesterweihe durfte er infolge des Kulturkampfes in der eigenen Diözese nicht angestellt werden. Mit Erlaubnis des Bistumsverwesers Lothar von Kübel begab er sich mit einem jährlichen Stipendium von 800 Mark nach Rom, wohnte im Campo santo und studierte am päpstlichen Seminar aramäische, syrische und koptische Sprachen. Um sich praktisch weiter auszubilden, unternahm er 1880 eine halbjährige Reise in den Orient.

Nach seiner Rückkehr befaßte er sich mit dem Gedanken, ein Werk für religiöse Belehrung und Verteidigung des Glaubens ins Leben zu rufen und fand bei den Kardinälen Bilio und Franzelin wie auch bei Papst Leo XIII. Billigung seines Vorhabens. Das Werk sollte "Apostolische Lehrgesellschaft" heißen und unter dem Schutz Mariens, der Königin der Apostel stehen. Er gewann zwei bedeutende Mitarbeiter. Bernard Lüthen, einen seeleneifrigen Priester und gewandten Schriftsteller (später P. Bonaventura), und den Missionspriester Friedrich von Leonardi, einen früheren Offizier. Mit diesen beiden gründete er am Feste Mariä Empfängnis im Sterbezimmer der hl. Brigitta in Rom die Gesellschaft. Sie sollte zunächst eine Vereinigung von Weltpriestern sein. Sie gaben religiöse Zeitschriften heraus und im November 1882 zogen sie in das jetzige Mutterhaus nahe bei St. Peter ein.

Im Jahre 1883 wurde die Gründung auf Ordensgrundlage gestellt. Die Mitglieder bekamen einheitliche Kleidung und Ordensnamen. Jordan nahm den Namen Franziskus Maria vom Kreuz an. 1884 erschien die Ordensregel. Im Jahre 1888 gründete Jordan eine besondere Schwesternschaft. Von 1889 an wurden durch ihn weitere Niederlassungen gegründet, denn die Zahl der Ordensmitglieder war auf 150 angewachsen. Auch viele Jugendliche meldeten sich zur Aufnahme. In Lochau am Bodensee wurde eine Studienanstalt gegründet. Das Werk, das sich immer mehr ausbreitete, erhielt 1911 die päpstliche Approbation.

Die viele Arbeit und die fortwährenden Visitationsreisen die ihn sogar nach Amerika führten, wo er an einem Ohr das Gehör verlor, dann der erste Weltkrieg, griffen Pater Jordan mit seiner ohnehin schwachen Gesundheit sehr an, so daß er sich einen Generalvikar als Stellvertreter geben ließ. Als Italien den Krieg erklärte. mußte er die Leitung der Gesellschaft in ein neutrales Land verlegen. Er wählte das Salvatorianerkolleg in Freiburg in der Schweiz. Vom März 1918 ab wurde seine Gesundheit immer schwächer. Es stellten sich Schwächezustände ein, bisweilen verlor er das Bewußtsein. Am 8.September 1918, dem Feste Mariä Geburt, starb er abends 8 Uhr in Tafers, nahe bei Freiburg, wo er sein Grab fand. Am 12 September 1956 wurde er unter großer Beteiligung seiner Ordensbrüder, wobei auch ein Gurtweiler anwesend war, ausgegraben und die Überreste nach Rom in das Generalat überführt

Pater Jordan war ein Mann großen Glaubens. Er hätte tiefes Vertrauen auf die göttliche Vorsehung, die ihm immer wieder half, und liebte Gebet und Armut. Statt einer Uhrkette benützte er eine Schnur. In seinem Zimmer hatte er nur einen einfachen Stuhl und ein Brett als Knieschemel. Seine Kleider waren ganz einfach und er besaß nur ein einfaches Brevier mit Rotschnitt. Seit dem 5. Juni 1945 läuft sein Seligsprechungsprozeß. Seine Gründung, die Gesellschaft des göttlichen Heilandes, zählte im Jahre 1956 2543 Angehörige, darunter 674 Priester. Sie verteilt sich auf 10 Provinzen in Amerika, England, Columbien, Nord- und Süddeutschland, Polen, Schweiz, Brasilien und Österreich. Außerdem bestehen Vizeprovinzen in Belgien, Kumena und sonstige Häuser. In der Kirche seines Heimatdorfes Gurtweil wurde am 12. Dezember 1943 eine von der süddeutschen Provinz gestiftete Gedenktafel mit Brustbild des Stifters, von Künstler Baur in München gegossen enthüllt, wobei der damalige Provinzial P. Lukas Klose die Predigt hielt. Anläßlich des 100. Geburtstages wurde vorn 12. bis zum 20. Juni 1948 in Gurtweil durch die Salvatorianerpatres Berward Kiesel von Klosterberg-Passau und Taddäus Lux von Gottesberg-Wurzach eine Mission gehalten, zu deren Abschluß der damalige Provinzial P. Gottfried Görmiller herzliche Worte an die Gemeinde richtete. Durch Pater Jordan ist Gurtweil in der weiten Welt bekannt geworden.

Es sei noch auf drei Werke hingewiesen, die das Leben des Ordensstifters behandeln:

P Pankratius Pfeiffer: P. Franziskus Maria vom Kreuz Jordan; Rom 1930, Salvator-Druckerei, Berlin. P.Bonaventura Schweizer: Pater Jordan ein heiligmäßiger Ordensstifter unserer Tage; Salvatorverlag Zug 1949. Leo Beringer: Pater Franziskus Maria vom Kreuz Jordan 1848 bis 1918; Druck Badenia, Karlsruhe (34 Seiten). 

aus: Geschichte eines Dorfes Gurtweil, von Leo Beringer

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