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von Franz Hilger im Albbote vom 23.4.2001

Vor 475 Jahren zündeten sie das Kloster an  

Auch die Kirche wurde damals ein Raub der Flammen - Racheakt nach der Hinrichtung des Bauernführer Kunz Jehle

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St. Blasien (fa) Vor 475 Jahren vernichtete ein Großbrand fast alle Gebäude des Klosters St. Blasien, auch die Kirche wurde ein Raub der Flammen. Es waren aufständische Bauern, die den Brand legten. Sie rächten sich mit dem Anschlag für die Hinrichtung ihres Bauernführers Kunz Jehle.

Schon seit Jahrzehnten bestanden Unstimmigkeiten zwischen den Bauern der zu St.Blasien gehörenden Gemeinden und den Mönchen des Klosters. In den Jahren 1524 bis 1526 kam es dann zu heftigen Zusammenstößen. Es herrschte in dieser Zeit in dem ganzen deutschen Land eine Aufruhr des Landvolkes gegen die Obrigkeit. Wahrscheinlich wurden diese angefacht durch den Geist der Reformation.
Im Schwarzwald begann der Aufruhr im Wutachtal. Dort erhoben sich die Bauern gegen den Landesherrn, den Grafen Sigmund von Lupfen. Der Protest richtete sich gegen zu hohe Abgaben und immer wieder abverlangten Frondienste. Bald schon kam es zum Aufstand im Klettgau, dann in der Grafschaft Fürstenberg und schließ1ich zum Angriff auf das Kloster St. Blasien. Da die Bauern meist nicht lesen und schreiben konnten und wenn, dann hatten sie wenig Gelegenheit dazu - wurde die Geschichte der Bauernaufstände nur einseitig aufgezeichnet. Der Historiker Josef Bader schrieb 1834 "Überall herrschte, auch in den Hütten der Gotteshausleuten, große Unzufriedenheit. Viele fanden es unter dem Krummstab nicht mehr erträglich.
Sie zogen in die benachbarten Städte, wo min sie gerne aufnahm , besonders in Waldshut". Einige Jahr- zehnte nach den Aufständen schrieb Abt Kasper eine Geschichte über das Kloster St. Blasien, hierin meinte er: "Im unteren Albgau war es die Abtei St. Blasien, welche im Volke den Stoff des Unwillen unterhielt. Denn unaufhörlich sprachen die Abte diese oder jene Befugnis, dies und jenes Besitztum an, und so ergab sich eine Reihe von Prozessen, wobei das Gotteshaus unter dem bereitwilligen Vorschub der österreichischen Regierung fast immer gewann". Am Allerheiligentag 1524 versammelten sich 200 Bauern vor dem Kloster, es waren alles Männer aus dem Hauensteinischen. Sie gaben vor den Abt an, das gesamte Stift vor einem Überfall von Schweizern schützen zu wollen. Der Abt ließ die Männer vom Wald eintreten, er versorgte sie mit Speis und Trank. Am anderen Morgen kamen weitere Bauern, sie waren aus den Herrschaften Blumegg und Gutenburg. Als sie alle gut und ausgiebig gegessen hatten, zogen sie wieder ab. Nur wenige Monate nach diesem recht friedlichen Besuch marschierten am
27. April 1525 die Bauern aus dem Hauensteinischen wieder an. Diesmal wollten die Waldleute nicht nur, was zu Essen und zu Trinken.
Sie plünderten. Auf ihren Wagen führten sie wertvolle Einrichtungen des Klosters weg. Am anderen Tag erreichten noch weitere Gruppen aufständischer Bauern das Kloster im Albtal, sie kamen aus dem Fürstenbergischen und aus Stühlingen. Sie verwüsteten die Räume und das Mobiliar, sie tranken Wein und in ihrer ausgelassenen Zerstörungswut wurden dann gar die Glocken vom Kirchturm gerissen und die Orgel zusammengeschlagen. Der Führer der Hauensteiner, Konrad "Kunz" Jehle von Niedermühle war bemüht, Ruhe in die rohe Horde zu bringen und bat seine Mitstreiter um Mäßigung und besonders um Achtung der kirchlichen Einrichtungen. Doch er konnte die Männer nicht mehr bändigen. Der Abt des Klosters, Johannes III, Spielamann aus Bettmaringen, verließ mit einigen Mitbrüdern fluchtartig St. Blasien und fand nach tagelangem Fußmarsch eine vorläufige Bleibe in Basel. Schon wenige Wochen nach dem Ansturm der Bauern auf das Kloster kam der österreichische Feldhauptmann Fuchs vom Fuchsberg mit seinen Soldaten in den Schwarzwald und stellte die Ordnung wieder her. Der Bauernführer Kunz Jehle, der als ein ruhiger und besonnener Mann galt und die Ausschweifungen seiner Landsleute nicht billigte, fiel den Militärs aus Österreich in die Hände. Diese fackelten nicht lange, nahmen in gefangen und machten ihn für die Aufstände und die Zerstörungen verantwortlich. Schon wenige Tagen nach seiner Festnahme wurde Kunz Jehle an einer Eiche oberhalb von Waldshut erhängt.
Drei Tage nach dessen Tod hing die recht Hand des Bauernführers an der Klosterpforte und auf einer Beischrift hieß es "Diese Hand wird sich rächen". Am 11. April 1526 stürmten die Bauern das Kloster. Innerhalb von nur wenigen Stunden fielen zahlreichen Gebäude in Schutt und Asche. Die Mönche hatten keine Wohnstätte mehr, auch ihre Vorräte waren zerstört, es blieb ihnen nichts anderes übrig, als in anderen Klöstern Zuflucht zu suchen. Nach einigen Wochen kehrten einige wieder zurück zu ihrer Wirkungsstätte und "fieng an rumen an und zu buwen und buwett das huss zu hoff" und am Schluss dieser Aufzeichnung heisst es dann "den siebzehenden tag des christmonats hielt man in unser frowen Capell am herrenkirchhoff wieder- rumb mess". Erst der Nachfolger von Abt Johannes, Abtb Gallus, Haas von Möhringen, konnte das St. Blasier Kloster wieder aufbauen und 1537, also sieben Jahre nach dem Brandanschlag, kamen dann alle in verschiedenen anderen Klöstern untergebrachten Mönche wieder in ihr Heimatkloster im Albtal zurück Abt Johannes, der während der schweren Aufstände dem Kloster vorstand, starb im Jahre 1532.

von Franz Hilger im Albbote vom 23.4.2001

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